Die vollendete Trennung

Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels, § 160:

Der unreduzierbare biologische Teil, der in der Arbeit als Abhängigkeit von dem natürlichen Zyklischen des Wachens und des Schlafens wie auch in der Handgreiflichkeit der individuellen irreversiblen Zeit des Lebensverschleißes vorhanden bleibt, ist für die moderne Produktion nur nebensächlich; und als solche werden diese Elemente in den offiziellen Proklamationen der Produktionsbewegung und der konsumierbaren Trophäen, die die erschwingliche Äußerung dieses unaufhörlichen Sieges sind, vernachlässigt.

 

Das im verfälschten Zentrum der Bewegung seiner Welt immobilisierte zuschauende Bewußtsein kennt in seinem Leben keinen Übergang mehr zu seiner Verwirklichung und zu seinem Tod.

 

Wer darauf verzichtet hat, sein Leben zu verausgaben, darf sich nicht mehr seinen Tod eingestehen.

 

Die Werbung der Lebensversicherungen gibt lediglich zu verstehen, daß der schuldig ist, wer stirbt, ohne die Regulierung des Systems nach diesem wirtschaftlichen Verlust gesichert zu haben;

und die Werbung des american way of death betont seine Fähigkeit, bei dieser Begegnung den größten Teil des Scheins des Lebens aufrechtzuerhalten.

An der gesamten übrigen Front der Werbebombardierungen ist es rundweg verboten zu altern. Danach würde es darauf ankommen, bei jedem ein „Jugend-Kapital“ zu bewahren, das, obschon es nur wenig benutzt worden ist, nicht beanspruchen kann, die dauerhafte und kumulative Realität des Finanzkapitals zu erwerben.

Diese gesellschaftliche Abwesenheit des Todes ist mit der gesellschaftlichen Abwesenheit des Lebens
identisch.

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