Dérive in der Schwundzone – ERRATUM

Dérive in der Schwundzone ERRATUM“ – kreuz und quer zwischen Schaumberg, Bitchberg und Lachmühle – auf den Spuren des Schriftstellers Johannes Kühn (*1934 Bergweiler/Tholey). Seit Jahrzehnten streift Kühn auf seinen zahllosen Spaziergängen durch das Gebiet rund um den Schaumberg und hält seine Eindrücke in Naturgedichten fest:

Oft kreist der Habichtsvogel hier im Himmelsraum.
Seine Einsamkeiten sind uns auch genehm.
Und du siehst wie einen Meeresturm den Schaumberg,
vor dem die Hügel wie Küstendünen liegen.

ERRATUM

Immer lieb ich den weiten Saal der Ebenen,
darin du gehen kannst
Leidensschritt,
darin du tanzen kannst
Weltglück.
Die Waldwege durch, die Kiesstränge hin,
Gewölbe hoch genug, bis an die Sterne nachts,
daran dich zu stoßen, bist du noch lang nicht
gewachsen.

ERRATUM

Schräg in der Tür steht noch der Tag,
sein halbes Gesicht noch
hält er hell,
das andre, samtschwarz,
möchte bei solchem Lied
noch einmal licht sein
und flimmert
sternenhaft.

ERRATUM

Unhalse
Baum, Strauch und Stein,
laß sie ertönen
gegen das verfängliche Schweigen,
Reisender.
Wie die Leiden
Mitreisen und die Sonne,
verewigt das rad nichts,
nur diene Sprache, die verzückte,
über das Schicksal
und die Stätten des Lichts.

ERRATUM

[…] Über den Gräbern fliegen Raben,
und aus den Nebeln fällt der Schnaps.“ (JOHANNES KÜHN)

„Nie hat er sich dem Großstadtleben ausgesetzt, nie hat er große Elegien geschrieben oder die Sprache zertrümmert, um sie neu zusammen zu setzen. ‚Nie verliess ich den Hügelring‘, heißt sein neuer Gedichtband, und dieser Titel charakterisiert sowohl Johannes Kühns Leben als auch seine Gedichte. Sanfte Hügel, dazwischen einige Dörfer, vielleicht ein Bach: Fährt man quer durch Deutschland, so hat man den Eindruck, dass dieses Bild typisch ist für dieses Land. Hasborn ist eines der vielen tausend Dörfer, der Schaumberg einer der vielen tausend Hügel. Das Leben in Hasborn, die ziellosen Spaziergänge, das Unverständnis der Dorfbewohner, das dem Dichter Johannes Kühn entgegen schlägt – das sind seit jeher seine Themen“, schreibt Matthias Kehle. „Johannes Kühn wurde teils sehr bewusst“, so Kehle weiter, „teils wegen Krankheit zum Dichter und damit zum Außenseiter in Hasborn, zum Störenfried. Für den Lyriker sind freilich andere ‚Störenfried‘: `… er, als Wegnachbar, stört dich/ mit den Fragen/ was ich hier such,/ wie es mir geht,/ was ich da find,/ wem das gefällt,/ wem ich das lob,/ wohin ich das erzähl,/ ob das was ist/ in der Heimatgegend,/ die doch nichts biete/ an Sehenswertem, sagt er und ist/ oft erlebter Störenfried/ einsamer Wanderung.`“

„Schaumberg […]  Nenne ihn Hirt seiner Dörfer, / der verteilt seiner Wolken Regen, / wie auch die Jahre / Zeiten und Schicksale würfeln“ (JOHANNES KÜHN)

 

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