„…weil Erinnerung ein Raum ohne Landkarte ist…“ JÜRGEN PLOOG

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Jürgen Ploog, Langstreckenpilot, CUT-UP Schriftsteller. Er schreibt Geschichten über die Straßen des Zufalls, über Ortswechsel oder das verschobene Zeitkontinuum, um „den Raum hinter den Worten“ zu erkunden. Immer wieder Episoden über Traumsequenzen, Rückblicke, flüchtige Bilder aus einer Splitterwelt:

 

„Städte, die dem gewohnten Muster der Wahrnehmung widersprechen. […] U-Bahnhöfe, die sich wie beleuchtete Anatomien künstlicher Körper hinziehen, während über der letzten Landkarte die Lichter ausgehen. Erstarrte Grundrisse des städtischen Strassenraums. […] Eine in alle Richtungen verstreute Landschaft. […]

Schwaden verirrter Zellen, die sich im Tageslicht zu Körpern verdichten […]. Schwarze wüstenhafte Stadtviertel, die sich bis zum Horizont ausdehnen […].

Bösartig kalte Grundrisse & verschneite urbane Flächen. Von den Geistern des Raumes verlassen einen Blumenkiosk betrachten. Zeitungen, Lotto & Toto. Leuchtbuchstaben, die vergessene Namen in die Nacht hinausstrahlen. Hier, wo die Geschichten keine Überschriften haben … […] Beleuchtete Hochbahnen, die langsam in das Gewirr der Hochhäuser eintauchen […]

Städte in denen das gewohnte Muster der Orientierung versagt. […] Landkarten die aus dem Gedächtnis fallen, & Strassenzüge, die in Rauch und Dämmerung eintauchen. […]

Das Auge sieht, aber das Gehirn ist bemüht, Gewohntes zu finden. Wer sieht, muss darauf achten, welche Formen das Gesehene in seinem Kopf annimmt. Wer seinen Augen traut, vergisst leicht, dass sein Nervensystem ausgelegt ist, ihm Streiche zu spielen. […]“ (Jürgen Ploog)

 

 

 

 

Für Ploog sind die Bilder, die wir uns von der Umwelt machen, Konstrukte, Metaphern, Abbilder unserer Eigenheit. Für ihn geht es darum, Bilder zu zerbrechen, sie umzuformen. Es geht um das „Komputieren, das Denken in Schnitten“, um die Fähigkeit die Welt in Bruchstücken wahrzunehmen, um sich keine Bilder mehr zu machen, um die Vorlagen zu zerlegen und durch eigene Spielregeln wieder anzuordnen. „Ist diese Fähigkeit entwickelt“, schreibt Ploog, „wird sich die Vorstellung mit flüchtigen Bildern zufrieden geben, mit Bildern die Angebote sind, in immer anderen Bildern zu sehen. Im Rückblick wird klar, warum jedes erstarrte Bild zum Götzenbild wird.“

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