Machart und Symbolik russischer Knasttätowierungen

 

In diesem auf Deutsch geführten Interview gibt Valery Einblicke in die Machart und Symbolik russischer Knasttätowierungen. Er spricht über Rangabzeichen, Zwangstätowierungen, die gewaltsame Entfernung von zu Unrecht tätowierter Symbole oder die Vielseitigkeit von Wodka als Desinfektionsmittel. Er erzählt Geschichten über Mitgefangene die sich z.B. Sterne auf die Knie tätowieren, um ihrer Unbeugsamkeit vor dem russischen Justizsystem Ausdruck zu verleihen.

 

 

 

Michel Foucault beschrieb, dass in der heutigen Zeit Krisenheterotopien allmählich verschwinden und durch Abweichungsheterotopien abgelöst werden: „In sie steckt man die Individuen, deren Verhalten abweichend ist im Verhältnis zur Norm.“ Das Folgende Interview mit Valery L., ehemaliger Insasse des St. Petersburger Untersuchungsgefängnis „Weißer Schwan“, stammt aus einer solchen Abweichungsheterotopie.Valery saß knapp 2 Jahre mit bis zu 11 anderen Gefangenen in einer 8 qm großen Zelle. In diesem Einschließungsmilieu wurden ihnen Regeln beigebracht: „Regeln der Einhaltung der gesellschaftlich-technischen Arbeitsteilung und letztlich Regeln der durch die Klassenherrschaft etablierten Ordnung“ (Louis Althusser). Im Idealfall wäre jedes Subjekt, das aus diesem Einschließungsmilieus ausscheidet, mit einer zweckmäßigen Ideologie ausgestattet, welche der Rolle als Junge, Vater und Ehemann, Lohnarbeiter oder als Staatsbürger etc. entspricht – sofern sie diese Rollen für sich annehmen. Dadurch, dass  die Ausgeschlossenen sich in einer Abweichungsheterotopie konzentrieren, kann sich aber auch  ein subversives Potenzial entwickeln.

 

Wer mehr zu diesem Thema in Erfahrung bringen möchte, dem sind die Studien des Gefängniswärters Danzig Baldaev empfohlen. Er zeichnete und entschlüsselte die Symbolik der „geschlossenen Gesellschaft“. Der Journalist Sergej Vasiliev arbeitete mit ihm zusammen und fotografierte bzw. kartografierte die Symbolik der Unterwelt. Hier:Russian-Criminal-Tattoo-Archiv

Beitragsart: Interview

Sprache: deutsch

Produktion: Juli 2013, Murmansk, Russland
Länge: 10:12 Minuten
Lizenz: Creative-Commons (Namensnennung, Bearbeitung erlaubt)

Bildnachweis: Danzig Baldaev

Fotonachweis: Sergej Vasiliev.

Mit freundlicher Genehmigung von Murray & Sorrell FUEL //fuel-design.com und Valery L.

 

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